Heimat bist du kleiner Nazis: Lang lebe der Hitlergruß!

„In Mauthausen gab es nie Gaskammern. Das haben die Amis nur erfunden!“,
lese ich auf Social Media. Es repräsentiert ein Weltbild, das vielen Österreichern nicht mehr peinlich ist.

Nazi – dieses Wort wird besonders seit den letzten paar Monaten dazu verwendet, Wähler einer bestimmten Partei zu bezeichnen, die mittlerweile gut 30 bis sogar 50% der Wähler erreichen kann. Im Gegensatz dazu steht der Bahnhofsklatscher oder der links linke Gutmensch. Doch warum ist der Nazi still alive und verschwindet nicht in der Versenkung?

Hitlergruß bald wieder en-vogue

In den letzten eineinhalb Jahren habe ich drei Mal erleben müssen, wie jemand vor mir seinen rechten Arm erhebt und den Hitlergruß ausführt. Einmal im Bus, einmal auf offener Straße und einmal in meinem Grätzl beim Gassi gehen mit meinem Hund. Die Vorfälle hatten gemeinsam, dass sie sich auf meine Hautfarbe bezogen – denn in zwei von drei Fällen fiel das N*-Wort. Diese Handbewegungen zu kommentieren, fällt mir in diesem Moment nicht ein. Viel zu perplex bin ich in diesen Situationen und versuche so schnell wie möglich unter Leute zu kommen.

Einzelfälle sind das nicht – auch eine Freundin berichtet von einem Vorfall, bei dem junge Männer nach einem Konzert bei einer Wiener U-Bahn Station ihre Hand erheben. Viele sagen: „Ach, sie wissen nicht, was sie da eigentlich tun.“

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Screenshot: facebook.com/oe24.at

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Österreichischer Zeitschriftenpreis 2016

Win win win! Am 10. November 2016 wurde der 33. Österreichische Zeitschriftenpreis verliehen und ich war eine der fünf GewinnerInnen. Ausgezeichnet wurde ich in der Kategorie „Lifestyle, Gesundheit und Soziale Verantwortung“ für den Beitrag „Generation Schwarz/Weiß – Die Kinder der GIs“, der im Mai diesen Jahres im Magazin „fresh – Black Austrian Lifestyle“ erschien.

© Katharina Schiffl

(c) Katharina Schiffl

Ich freue mich irrsinnig über diesen Preis und bedanke mich beim ÖZV und bei allen Menschen, die bis jetzt Teil meiner Reise gewesen sind.

Allen voran bei Philipp Rohrbach und Niko Wahl, die mit ihrer Forschung den Grundstein für diesen Text gelegt haben und meinem freshen Team rund um simon INOU, Clara Akinyosoye, Philipp Horak und Michael Fürnsinn. Ohne euch wäre das alles nicht möglich!

Bericht: http://www.oezv.or.at/b299m10

Covergirl!

Oh du lieber Augustin…
Danke für mein erstes Cover und diesen super Text!

Mitte Mai wurde ich von der Augustin Redakteurin Lisa Bolyos interwiewt und von der Fotografin Abiona Esther Ojo abgelichtet – das Ergebnis gabs dann in der Ausgabe 414 des Augustin.

Hier online nachzulesen… http://www.augustin.or.at/zeitung/tun-und-lassen/warum-der-weisse-mann-im-dienstwagen-starthilfe-braucht.html

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Generation Schwarz/Weiß – die Kinder der GIs – fresh April 2016

Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Zeitschriftenpreis 2016 in der Kategorie „Lifestyle, Gesundheit und Soziale Verantwortung“

Verspottet und ausgegrenzt – wer als Kind einer Österreicherin und eines afroamerikanischen Soldaten zwischen 1945 und 1956 zur Welt kam, hatte einen schweren Start ins Leben. Die vergessenen Geschichten dieser sogenannten Besatzungskinder treten jetzt durch eine Sonderausstellung im Museum für Volkskunde ans Tageslicht. Sie offenbaren Ungerechtigkeiten der Behörden, Identitätsfragen und enorme Stärke im Umgang mit der Nachkriegsgesellschaft.

Sie nannten sie „Schokoladys“, „Amischickse“ oder „Dollarflitscherl“ – Frauen, die sich mit afroamerikanischen Soldaten einließen, hatten in der Nachkriegszeit einiges zu erdulden: Beschimpfungen, Ausgrenzung und auch physische Angriffe gehörten zum Alltag. Ihre Kinder waren ein sichtbares Zeichen für den Untergang des NS-Regimes.

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Foto: Sammlung Lost in Administration

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Next Generation – Ausstellungskatalog „SchwarzÖsterreich“ – April 2016

Im Rahmen der Ausstellung „SchwarzÖsterreich – Die Kinder der afro-amerikanischen Besatzungssoldaten“, die von 27. April bis 21. August 2016 im Volkskundemuseum Wien lief, hatte ich die Ehre verschiedene Tätigkeiten übernehmen zu können.
Einerseits konnte ich durch eine Kooperation mit „fresh – Black Austrian Lifestyle“ das Rahmenprogramm planen, das aus Vorträgen, Filmen, einer Podiumsdiskussion und einem Zeitzeugengespräch bestand. Andererseits konnte ich besonders bei der Erstellung eines Ausstellungskatalogs behilflich sein und die Kuratoren inhaltlich unterstützen.

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Das Team bei der Eröffnung  (c) Volkskundemuseum Wien/APA-Fotoservice/Preiss

SchwarzÖsterreich. Die Kinder afroamerikanischer Besatzungssoldaten

Volles Haus (c) Volkskundemuseum Wien/APA-Fotoservice/Preiss

Zusätzlich zu meiner allgemeinen Mitarbeit an dem Katalog erschien auch ein kurzer Text von mir, der die Verbindung der jüngeren Generation zu der untersuchten Generation highlighten soll.

Next Generation 

„Woher kommst du? Nein, woher kommst du wirklich? Woher bist du ursprünglich?“ – Das höre ich oft mehrmals täglich. Die Antwort „Wien“ reicht nicht. Die eigentliche Frage ist: Warum bist du Schwarz?

ÖsterreicherInnen, die anders aussehen, sind schon lange ein Thema, allerdings noch längst nicht akzeptiert. Oft ist es einfach Neugierde, die die Fragenden motiviert. Nach dem dritten interessierten am selben Tag kommt man sich leicht außerirdisch vor. Ich wurde 1991 in Wien geboren, bin hier zur Schule gegangen und war – bis auf ein paar Urlaube – noch nie woanders. Trotzdem bin ich fremd. Das hat sich also nicht geändert in den über 70 Jahren, die zwischen 1945 und heute liegen. In den Geschichten dieses Projekts sehe ich mich selbst. Nicht in jeder Erzählung, aber in fast jeder Person. Die Zeit ist eine andere und ich bin froh, nicht direkt nach dem Zweiten Weltkrieg geboren worden zu sein. Mein Vater ist kein Soldat, kein „Besatzer“ in den Augen der Gesellschaft. Trotzdem ist es heute nicht viel besser, Leider!

Ein Umstand, der uns verbindet: Wir haben einen Schwarzen und einen Weißen Elternteil. Es gibt keinen politisch korrekten Terinus für uns. ,Mixed‘, ohne das in den USA immer noch gebräuchlichen Wort ,race‘, wäre eine Möglichkeit, oder ,Mischling‘, das wegen der Verwendung im Nationalsozialismus aber negativ aufstößt. Manche von uns wollen sich selbst bezeichnen, manche nicht. Einige sehen sich nur als Schwarz, da sie von der Gesellschaft so gesehen werden. Wieder andere stehen ihren Weißen Verwandten viel näher. Ich bin ohne meinen Schwarzen Vater aufgewachsen, sehe mich als eine Mischung aus beiden Elten – Schwarz und Weiß – und ich bin Österreicherin. Da ich keine wirkliche Verbindung zu dem Schwarzen Teil meiner Familie habe, war ich auch daheim irgendwie anders. Niemand konnte mir Fragen beantworten. Die Schulzeit war nicht einfach, denn auch dort war ich die Einzige mit meiner Hautfarbe. Kinder haben mich gemobbt, Lehrer waren teilweise rassistisch und ich fühlte mich allein. Schwarze Menschen kannte ich nur aus dem Fernsehen. Immer, wenn ich heute mit jemanden rede, der auch ,mixed‘ ist, landen wir ziemlich schnell beim Thema Haare. 24 Jahre hat es gedauert, bis ich wusste, wie ich sie richtig pflege. Derzeit mag ich meine natürlichen Locken, doch den Großteil meines Lebens wollte ich glatte Haare haben. Ich wollte so sein wie der Großteil der österreichischen Gesellschaft – bloß nicht auffallen. Jetzt ist das anders. Ich akzeptiere meine Haare und ich akzeptiere meine Haut.

Wir sind so verschieden, dennoch so gleich – zu Schwarz für die Weißen und zu Weiß für die Schwarzen. Beide Seiten haben manchmal Probleme, uns als zugehörig anzuerkennen. Studien haben ergeben, dass die Gesellschaft in einigen Jahrzehnten so durchmischt sein wird, dass wir zur Norm werden. Ich freue mich darauf. Bis dahin beobachte ich das kleine ,mixed‘ Mädchen in der Straßenbahn und weiß ziemlich genau, was auf sie zukommt – Rassismus, die Identitätsfrage und die Gewissheit, sich von der breiten Masse irgendwie abzuheben.

Erschienen in:
Niko Wahl, Philipp Rohrbach, Tal Adler, SchwarzÖsterreich – Die Kinder afroamerikanischer Besatzungssoldaten. Wien 2016, 978-3-85409-802-7catalogue
Bestellen kann man den Katalog zum Beispiel hier

 

Äh, wie schafft man es ins Mainstream-Radio? – redbull.com November 2015

Heimische Mainstream-Radios & heimische Musik?
Keine Traumbeziehung. Und doch gibt es Ausnahmen.

Bei mir tauchen Jahr für Jahr große Fragezeichen auf, wenn die Nominierten für die Amadeus Awards bekanntgegeben werden. Während ich mir den Kopf darüber zerbreche, wo sich gewisse Acts vor mir versteckt haben, räumen diese dann meistens auch Preise ab.

Radio und österreichische Musik, Beziehungsstatus: Es ist kompliziert! Eigentlich konnte ich mir nicht vorstellen, dass sich die mir unbekannten Künstler gerade dort sammeln. Unter anderem seit dem #elkegate – ich erspare euch jetzt die tausendste Ausführung dazu, fragt Google – hat sich in Sachen Ö-Quote etwas getan, auch wenn eine gewisse Drucksituation im Spiel war.

Und doch nehme ich persönlich Mainstream-Radio fast als Parallel-Universum wahr, da ich mich auf anderen Sendern & Plattformen der heimischen Musik hingebe, fernab jeglicher Massentauglichkeit. Also, was tun, um meinen Horizont zu erweitern?

Ich habe exemplarisch ein paar heimische Acts unter die Lupe genommen, die sich in der Mainstream-Welt etablieren konnten.

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© Universal Music Austria, © Zoe , © filou , © Tagträumer

Hier geht’s zum Text http://www.redbull.com/at/de/music/stories/1331758671619/musik-aus-oesterreich-mainstream-musik-im-radio

Interview: FDTF „Diese Band kann man nicht austauschen“ – redbull.com September 2015

From Dawn To Fall im Gespräch:
Über 10 Jahre Bandgeschichte und warum sie bald Lebewohl sagen.

Beginn, Aufstieg, Ende – was klingt wie eine Umschreibung Roms, führt quer durch die fast 10-jährige Geschichte einer der österreichischen Rockbands, die meine späten Teeniejahre entscheidend geprägt haben. Abrocken – egal, ob in Mini-Clubs oder auf der Donauinsel – war das Motto. Myspace lieferte nicht nur Tour-Dates, sondern auch den heißesten Gossip. „Gossip“, so heißt auch ein Song auf der zweiten Platte der fünf Jungs aus Perchtoldsdorf. Der Musikstil änderte sich leicht – weniger Geschrei, mehr Pop. Das fanden nicht nur die Mainstreammedien gut: Auch in Japan feierten From Dawn To Fall Erfolge.

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(c) Atelier Karasinski/Red Bull Content Pool

Irgendwann wurde es sehr still um die Jungs, die sich mittlerweile FDTF schreiben. Ein nicht veröffentlichtes Album, Stoffls Ausstieg und ein neuer Sänger prägten die letzten Bandjahre. Das kann so nicht enden, dachten auch sie sich und geben noch ein letztes Mal Gas: Das verschollen geglaubte, dritte Album „BLVRS“ ist erschienen. Zusammen mit der für Oktober angesetzten Abschlusstour in Originalbesetzung markiert es das Ende einer gemeinsamen Reise in die Welt des Erwachsenwerdens.

Weil Auseinandergehen bekanntlich schwer ist, bin ich mit vier von fünf Bandmitgliedern – Philip ließ sich leider entschuldigen – durch die Jahre gereist. Schicke Fotos fanden sich auch – because the internet never forgets!

Das Interview + Fotos hier – http://www.redbull.com/at/de/music/stories/1331745430773/fdtf-blvrs-interview