Heimat bist du kleiner Nazis: Lang lebe der Hitlergruß!

„In Mauthausen gab es nie Gaskammern. Das haben die Amis nur erfunden!“,
lese ich auf Social Media. Es repräsentiert ein Weltbild, das vielen Österreichern nicht mehr peinlich ist.

Nazi – dieses Wort wird besonders seit den letzten paar Monaten dazu verwendet, Wähler einer bestimmten Partei zu bezeichnen, die mittlerweile gut 30 bis sogar 50% der Wähler erreichen kann. Im Gegensatz dazu steht der Bahnhofsklatscher oder der links linke Gutmensch. Doch warum ist der Nazi still alive und verschwindet nicht in der Versenkung?

Hitlergruß bald wieder en-vogue

In den letzten eineinhalb Jahren habe ich drei Mal erleben müssen, wie jemand vor mir seinen rechten Arm erhebt und den Hitlergruß ausführt. Einmal im Bus, einmal auf offener Straße und einmal in meinem Grätzl beim Gassi gehen mit meinem Hund. Die Vorfälle hatten gemeinsam, dass sie sich auf meine Hautfarbe bezogen – denn in zwei von drei Fällen fiel das N*-Wort. Diese Handbewegungen zu kommentieren, fällt mir in diesem Moment nicht ein. Viel zu perplex bin ich in diesen Situationen und versuche so schnell wie möglich unter Leute zu kommen.

Einzelfälle sind das nicht – auch eine Freundin berichtet von einem Vorfall, bei dem junge Männer nach einem Konzert bei einer Wiener U-Bahn Station ihre Hand erheben. Viele sagen: „Ach, sie wissen nicht, was sie da eigentlich tun.“

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Screenshot: facebook.com/oe24.at

Die facebook-„Nazis“

Wenn wir die Social Medias durchforsten, finden sich immer mehr rechtsradikale Kommentare. Besonders auf den Seiten der Medien, die das Thema Flüchtlinge ausschlachten.

„Es gibt keine Nazis mehr! Das ist alles schon so lange her, lasst es endlich ruhen!“ ist einer der Top-Kommentare, wenn es ums Thema Neo-Nazis geht. Kein Mitglied des selbsternannten „Volkes“ will sich mit diesen alten Kamellen auseinandersetzen.

Besonders auf der facebook-Plattform der Tageszeitung „Österreich“ finden sich zahlreiche solcher Kommentare. Die meisten verschwinden irgendwann, doch das Social-Media Team scheint überfordert.

Rassistische Aussagen, Verharmlosung des Holocaust bis hin zur kompletten Leugnung, all das findet man beim Durchstöbern dieser Seite. Längst werden nicht mehr nur fake-Profile genutzt, auch Postings mit Klarnamen sind gut vertreten. Viele meinen auch hier, sie wissen nicht, was sie eigentlich tun.

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Egal, ob gut gemeint, bös gemeint oder nicht gedacht – Klarname oder Fakeprofil. Really?                                                                                Screenshots: facebook.com/oe24.at

Eine Dame, die offensichtlich nicht wusste, was sie schreibt, begegnete mir vor einiger Zeit auf dem Profil einer Freundin. Sie verkündete stolz, dass ihr Opa Teil der Hitlerjugend war. „Die Hitlerjugend hat ja Österreich nach dem Krieg wieder aufgebaut!“, O-Ton der Dame. Ich bin in Gelächter ausgebrochen, obwohl es mich traurig machen sollte. Monate später erklärt ein älterer Herr auf facebook, dass man keine finanzielle Hilfe nach Syrien schicken sollte – Österreich wurde ja auch von den Österreichern wieder aufgebaut. Meine innere Stimme dazu: „Marshallplan, kennst?“. Doch sie wissen nicht, was sie hier eigentlich tun.

Die FPÖ entzieht sich ihrer Verantwortung

Herbert Kickl, Generalsekretär der FPÖ, findet es eine Frechheit, dass sie mit dem Begriff Rechtsextrem bezeichnet werden. Dabei wollen sie von Menschen, die stolz auf ihre Radikalität sind, gewählt werden und distanzieren sich nicht.

Wenn Norbert Hofer in der Frage nach dem Öxit oder einem der Migrationsthemen zurückrudert, wird er für seine eigenen Wähler unwählbar. Zu weich scheint er ihnen geworden zu sein.

Fakt ist, viele der FPÖ-Wähler sind mittlerweile fremdenfeindlicher und rechtsradikaler als die eigentliche Linie, die die Partei nach außen zu kommunizieren versucht. Vom Erfolg Straches und Hofers getragen, fühlen sich die Menschen in ihren Ansichten bestätigt. Sie verstecken ihren Hass nicht mehr, weil sie sich akzeptiert fühlen. Doch sie wissen doch nicht, was sie tun, oder?

Wissen sie wirklich nicht, was sie tun?

Sehr oft habe ich mir anhören müssen, dass diese Menschen doch alle nicht wissen, was sie da eigentlich von sich geben. Gedacht sind diese Sätze als eine Art Entschuldigung und Verharmlosung. Doch das ist genau das Problem.

Ich weiß, die Bildungskeule ist alt und polarisiert. Wenn man sich allerdings die Profile der oben genannten Poster mit Klarnamen ansieht, haben sie alle Haupt- oder Mittelschulen besucht. Bei den Personen, die diese Kommentare liken, ist diese Tendenz sehr ähnlich.

Ich betreibe kein Bashing dieser Schulformen, denn sie sind genauso legitim und wichtig, wie andere. Ich halte die Menschen, die diese Schulen besucht haben, auch nicht per-se für weniger intelligent als Gymnasiasten. Doch scheint klar ersichtlich, dass sie weniger historische- und politische Bildung genossen haben. Wie kann es zum Beispiel passieren, dass die Gedenkstätte Mauthausen – laut Medienberichten – 2015 weniger von Schulen besucht wird als noch vor ein paar Jahren? Das ist besonders deswegen problematisch, da der langsame Schwund an Zeitzeugen es auf Dauer verhindern wird, Diskussionen an Bildungseinrichtungen durchführen zu können.

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Wer nicht lernt, darf nicht vergessen! Screenshot: facebook.com/oe24.at

Der Schrei nach Bildung

Nicht nur als Studentin, die ihren Bachelor in Geschichte in der Tasche hat und sich jetzt im Master mit Zeitgeschichte befasst, ist mir dieses Thema wichtig. Bildung besonders in Bereichen, die die Zukunft unseres Landes betrifft, sollte uns allen ein Anliegen sein. Hören wir auf, Unwissende als Nazis zu bezeichnen und treten wir lieber dafür ein, das Bildungsangebot innerhalb der Schulpflicht zu verbessern. Erst wenn das passiert ist, kann ich jeden FPÖ-Wähler mit reinem Gewissen als (Neo-)Nazi bezeichnen. Denn dann wissen sie genau, was sie tun!

Disclaimer: Wenn jetzt jemand Hautevolee schreit…ja, Wien 20-„Arbeiterschicht“-Hautevolee angereichert mit Bildung

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