Generation Schwarz/Weiß – die Kinder der GIs – fresh April 2016

Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Zeitschriftenpreis 2016 in der Kategorie „Lifestyle, Gesundheit und Soziale Verantwortung“

Verspottet und ausgegrenzt – wer als Kind einer Österreicherin und eines afroamerikanischen Soldaten zwischen 1945 und 1956 zur Welt kam, hatte einen schweren Start ins Leben. Die vergessenen Geschichten dieser sogenannten Besatzungskinder treten jetzt durch eine Sonderausstellung im Museum für Volkskunde ans Tageslicht. Sie offenbaren Ungerechtigkeiten der Behörden, Identitätsfragen und enorme Stärke im Umgang mit der Nachkriegsgesellschaft.

Sie nannten sie „Schokoladys“, „Amischickse“ oder „Dollarflitscherl“ – Frauen, die sich mit afroamerikanischen Soldaten einließen, hatten in der Nachkriegszeit einiges zu erdulden: Beschimpfungen, Ausgrenzung und auch physische Angriffe gehörten zum Alltag. Ihre Kinder waren ein sichtbares Zeichen für den Untergang des NS-Regimes.

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Foto: Sammlung Lost in Administration

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Next Generation – Ausstellungskatalog „SchwarzÖsterreich“ – April 2016

Im Rahmen der Ausstellung „SchwarzÖsterreich – Die Kinder der afro-amerikanischen Besatzungssoldaten“, die von 27. April bis 21. August 2016 im Volkskundemuseum Wien lief, hatte ich die Ehre verschiedene Tätigkeiten übernehmen zu können.
Einerseits konnte ich durch eine Kooperation mit „fresh – Black Austrian Lifestyle“ das Rahmenprogramm planen, das aus Vorträgen, Filmen, einer Podiumsdiskussion und einem Zeitzeugengespräch bestand. Andererseits konnte ich besonders bei der Erstellung eines Ausstellungskatalogs behilflich sein und die Kuratoren inhaltlich unterstützen.

Schwarz…sterreich. Die Kinder afroamerikanischer Besatzungssoldaten

Das Team bei der Eröffnung  (c) Volkskundemuseum Wien/APA-Fotoservice/Preiss

SchwarzÖsterreich. Die Kinder afroamerikanischer Besatzungssoldaten

Volles Haus (c) Volkskundemuseum Wien/APA-Fotoservice/Preiss

Zusätzlich zu meiner allgemeinen Mitarbeit an dem Katalog erschien auch ein kurzer Text von mir, der die Verbindung der jüngeren Generation zu der untersuchten Generation highlighten soll.

Next Generation 

„Woher kommst du? Nein, woher kommst du wirklich? Woher bist du ursprünglich?“ – Das höre ich oft mehrmals täglich. Die Antwort „Wien“ reicht nicht. Die eigentliche Frage ist: Warum bist du Schwarz?

ÖsterreicherInnen, die anders aussehen, sind schon lange ein Thema, allerdings noch längst nicht akzeptiert. Oft ist es einfach Neugierde, die die Fragenden motiviert. Nach dem dritten interessierten am selben Tag kommt man sich leicht außerirdisch vor. Ich wurde 1991 in Wien geboren, bin hier zur Schule gegangen und war – bis auf ein paar Urlaube – noch nie woanders. Trotzdem bin ich fremd. Das hat sich also nicht geändert in den über 70 Jahren, die zwischen 1945 und heute liegen. In den Geschichten dieses Projekts sehe ich mich selbst. Nicht in jeder Erzählung, aber in fast jeder Person. Die Zeit ist eine andere und ich bin froh, nicht direkt nach dem Zweiten Weltkrieg geboren worden zu sein. Mein Vater ist kein Soldat, kein „Besatzer“ in den Augen der Gesellschaft. Trotzdem ist es heute nicht viel besser, Leider!

Ein Umstand, der uns verbindet: Wir haben einen Schwarzen und einen Weißen Elternteil. Es gibt keinen politisch korrekten Terinus für uns. ,Mixed‘, ohne das in den USA immer noch gebräuchlichen Wort ,race‘, wäre eine Möglichkeit, oder ,Mischling‘, das wegen der Verwendung im Nationalsozialismus aber negativ aufstößt. Manche von uns wollen sich selbst bezeichnen, manche nicht. Einige sehen sich nur als Schwarz, da sie von der Gesellschaft so gesehen werden. Wieder andere stehen ihren Weißen Verwandten viel näher. Ich bin ohne meinen Schwarzen Vater aufgewachsen, sehe mich als eine Mischung aus beiden Elten – Schwarz und Weiß – und ich bin Österreicherin. Da ich keine wirkliche Verbindung zu dem Schwarzen Teil meiner Familie habe, war ich auch daheim irgendwie anders. Niemand konnte mir Fragen beantworten. Die Schulzeit war nicht einfach, denn auch dort war ich die Einzige mit meiner Hautfarbe. Kinder haben mich gemobbt, Lehrer waren teilweise rassistisch und ich fühlte mich allein. Schwarze Menschen kannte ich nur aus dem Fernsehen. Immer, wenn ich heute mit jemanden rede, der auch ,mixed‘ ist, landen wir ziemlich schnell beim Thema Haare. 24 Jahre hat es gedauert, bis ich wusste, wie ich sie richtig pflege. Derzeit mag ich meine natürlichen Locken, doch den Großteil meines Lebens wollte ich glatte Haare haben. Ich wollte so sein wie der Großteil der österreichischen Gesellschaft – bloß nicht auffallen. Jetzt ist das anders. Ich akzeptiere meine Haare und ich akzeptiere meine Haut.

Wir sind so verschieden, dennoch so gleich – zu Schwarz für die Weißen und zu Weiß für die Schwarzen. Beide Seiten haben manchmal Probleme, uns als zugehörig anzuerkennen. Studien haben ergeben, dass die Gesellschaft in einigen Jahrzehnten so durchmischt sein wird, dass wir zur Norm werden. Ich freue mich darauf. Bis dahin beobachte ich das kleine ,mixed‘ Mädchen in der Straßenbahn und weiß ziemlich genau, was auf sie zukommt – Rassismus, die Identitätsfrage und die Gewissheit, sich von der breiten Masse irgendwie abzuheben.

Erschienen in:
Niko Wahl, Philipp Rohrbach, Tal Adler, SchwarzÖsterreich – Die Kinder afroamerikanischer Besatzungssoldaten. Wien 2016, 978-3-85409-802-7catalogue
Bestellen kann man den Katalog zum Beispiel hier

 

Äh, wie schafft man es ins Mainstream-Radio? – redbull.com November 2015

Heimische Mainstream-Radios & heimische Musik?
Keine Traumbeziehung. Und doch gibt es Ausnahmen.

Bei mir tauchen Jahr für Jahr große Fragezeichen auf, wenn die Nominierten für die Amadeus Awards bekanntgegeben werden. Während ich mir den Kopf darüber zerbreche, wo sich gewisse Acts vor mir versteckt haben, räumen diese dann meistens auch Preise ab.

Radio und österreichische Musik, Beziehungsstatus: Es ist kompliziert! Eigentlich konnte ich mir nicht vorstellen, dass sich die mir unbekannten Künstler gerade dort sammeln. Unter anderem seit dem #elkegate – ich erspare euch jetzt die tausendste Ausführung dazu, fragt Google – hat sich in Sachen Ö-Quote etwas getan, auch wenn eine gewisse Drucksituation im Spiel war.

Und doch nehme ich persönlich Mainstream-Radio fast als Parallel-Universum wahr, da ich mich auf anderen Sendern & Plattformen der heimischen Musik hingebe, fernab jeglicher Massentauglichkeit. Also, was tun, um meinen Horizont zu erweitern?

Ich habe exemplarisch ein paar heimische Acts unter die Lupe genommen, die sich in der Mainstream-Welt etablieren konnten.

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© Universal Music Austria, © Zoe , © filou , © Tagträumer

Hier geht’s zum Text http://www.redbull.com/at/de/music/stories/1331758671619/musik-aus-oesterreich-mainstream-musik-im-radio

„Ich hasste meinen Körper“ – Biber Mai 2015

Angst, Scham und unendliche Schmerzen:
Ich hatte eine Schönheits-OP und fast niemand wusste Bescheid.

„Und, wie gefällt Ihnen das Ergebnis? Zufrieden?“, fragt mich ein grinsender junger Mann in weißem Arztkittel. Unsicher und geschwächt antworte ich: „In ein paar Monaten geht es mir bestimmt gut…“ Die ehrliche Antwort wäre gewesen: „Ihr habt mich gerade aufgeschlitzt und einen Teil von mir abgeschnitten. Wie soll ich wissen, wie ich mich fühle?“ Schönheits-OPs gehören irgendwie zum Alltag – Promi-Magazine, Werbungen und das Internet zeigen makellose Menschen, die teilweise nicht nur mit Photoshop-Skills zur Perfektion optimiert wurden. Eine Brustvergrößerung da, ein neues Näschen hier und eine ordentliche Portion Botox kann auch nicht schaden – besonders in der Welt der Reichen und Schönen. Schönheit ist eines der wichtigsten Themen in unserer Gesellschaft.

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Das hässliche Entlein

Ich selbst hätte nie gedacht, dass das Thema Beauty-OP für mich jemals relevant wird. Doch hier war ich, in einem Flügel der Plastischen-Chirurgie in einem Wiener Spital. Ich war nie schön und wurde mein ganzes Leben lang nie als attraktiv eingestuft. Seit frühester Kindheit war ich „die Fette“ unter meinen Klassenkameraden. Extreme Fettsucht war meine Krankheit. Waagen waren mein natürlicher Feind. Als ich mit 15 Jahren doch wieder einmal auf dieses verhasste Ding steigen musste, zeigte es mit 125 Kilo den Höchststand an. Meine ganze Familie hatte mit Übergewicht zu kämpfen. Natürlich wollte man etwas dagegen tun, aber gegessen wurde, was auf den Tisch kam. Was war eine bessere Beschäftigung als leckere Dinge in sich hineinzustopfen, besonders wenn man irgendwie sowieso unzufrieden war? Mit den Jahren habe ich mich damit abgefunden. Dicke Menschen können natürlich ebenso attraktiv sein wie dünne – ich fühlte mich so allerdings nicht wohl….
Den gesamten Text gibt es auf http://www.dasbiber.at/content/ich-hasste-meinen-koerper

Österreich, deine Auswanderer – redbull.com Mai 2015

Plötzlicher Hype und Freunderlwirtschaft –
vier übersiedelte Acts und ihr Blick in die Heimat.

Der Österreicher jammert gern, der österreichische Musiker ist davon nicht ausgeschlossen. Natürlich nicht unbegründet – fehlende Radio-Airplays, Medienignoranz und wenig Wertschätzung prägten die österreichische Musiklandschaft für viele Jahre. Seit dem letzten Jahr scheint sich allerdings etwas zu tun in unserem Land. Heimische Acts heimsen mehr Aufmerksamkeit ein als je zuvor – allen voran Wanda und Bilderbuch. Mehr geht natürlich immer, doch der Weg ist ein Guter.

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Ja, Panik, RAF, Anna F., salute (li.o.n.re.u.)© Gabriele Summen, Indipendenza, Anna F. Presse, Agnes Lloyd-Platt

Das Ausland scheint uns um Jahre voraus zu sein in Sachen Wertschätzung rot-weiß-roter Künstler. Acts wie Parov Stelar, Soap&Skin, HVOB sind international längst keine unbeschriebenen Blätter mehr. Ganz Europa musste Conchita Wurst an die Spitze wählen, bevor es in Österreich die Kritiker „eh immer schon gesagt“ haben. Und wie jeder weiß, wurde Falco damals auch nicht auf Anhieb im Radio gespielt.

Na dann, warum es nicht gleich woanders versuchen? Sachen packen und auf geht’s!

Den gesamten Text gibt’s unter http://www.redbull.com/at/de/music/stories/1331725476125/oesterreichische-musiker-im-ausland

 

Ist musikalisches Talent vererbbar? – redbull.com März 2015

Diese fünf Eltern-Kind-Gespanne zeigen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!

Während viele Eltern sich Sorgen machen, wenn der Nachwuchs sich wünscht den „brotlosen“ Beruf des Musikers anzustreben, gibt es Andere, die vor Stolz fast platzen – Musikereltern. Zugegeben nicht jeder Musiker will sein eigen Fleisch und Blut im Rampenlicht sehen, dennoch scheint sich die Nachkommenschaft maßgeblich an dem Arbeitsfeld der Eltern zu orientieren. Zu Recht, wie die folgenden fünf Beispiele beweisen!

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© Fotos von l nach r. oben: © Stefan Maria Pabst, © Ingo Petramer, unten: © Franz Reiterer/FM4, © Helena Wimmer, © Klaus Pichler

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